VSTENO

Vector Shorthand Tool with Enhanced Notational Options

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Presse

Im Januar erschien ein erster Artikel (PDF) zu VSTENO im Schweizer Stenograf.

VSTENO oder: Wenn Computer Steno lernen …

Lektüre in Steno ist ein Bereich, der bis jetzt relativ schlecht abgedeckt ist. Zwar gibt es die (sehr empfehlenswerten!) Lesehefte von Silvia Seeholzer. Was aber, wenn man beispielsweise einen Roman der Weltliteratur lesen möchte? Meines Wissens gibt es bis dato keinen offiziellen „Verlag“ oder „Herausgeber“ stenografischer Belletristik.

Um diesem Mangel beizukommen, begann ich im April 2018 ein Computerprogramm namens VSTENO zu entwickeln. Die Idee: Langschrifttexte automatisiert in Kurzschrift zu übertragen. Das Programm sollte also (1) Stenozeichen darstellen, (2) Übertragunsregeln (z.B. Kürzungen, Vor-/Nachsilben etc.) anwenden und (3) das Resultat in verschiedenen Formaten (Bildschirm, E-Reader, PDF, Druckerzeugnis) zur Verfügung stellen.

Persönlich reizte mich das Projekt aus zwei Gründen: Einerseits bin ich Linguist (Romanist) mit einem ausgeprägten Hang zur formalisierten (abstrakten) Betrachtung sprachlicher Phänomene. Andererseits faszinieren mich seit den 80ern Computer (C64, Amiga). Meine Leidenschaft bezieht sich dort vor allem auf das Programmieren und Entwickeln von (neuen) Algorithmen. Seit vielen Jahren setze ich mich auch als Aktivist und Mitglied der Free Software Foundation (FSF) für Freie Software (GNU/Linux) ein.

Inzwischen stecken in VSTENO rund 1300 Stunden Arbeit. Integriert wurden vier Sprachen (Deutsch, Spanisch, Französisch, Englisch) in Stolze-Schrey. Auf Deutsch ist neben der Grundschrift auch die Eilschrift (teilweise) verfügbar. Mittlerweile sind die generierten Stenogramme (aus meiner Sicht) durchaus brauchbar. Viele Wörter werden korrekt generiert, auch wenn das Resultat ästhetisch da und dort zweifellos noch besser sein könnte.

Wichtig ist mir, dass das primäre Ziel erreicht wurde. Mit VSTENO lassen sich nun tatsächlich ganze Romane übertragen und in Steno lesen. Als Beispiel: Im Mai 2019 fuhren meine Frau und ich mit dem Fahrrad von Oslo nach Bergen. Mit im Gepäck: die beiden norwegischen Autoren Fridtjof Nansen „Mit Schneeschuhen übers Gebirge“ und Bjørnsterne Bjørnson „Synnøve Solbacken“. Zwei eher unbekannte Werke, die ich passend zu den Landschaften, die wir durchquerten, abends zur Erholung gemütlich auf einem E-Reader lesen konnte.

Nebst dem Generieren von „Lesestoff“ eignet sich VSTENO aus meiner Sicht aber auch als Lerntool. Gerade wenn man sich als Neuling erstmalig an die Schrift wagt, kann es hilfreich sein, einzelne Wörter oder Sätze in VSTENO einzugeben (was direkt im Internet-Browser möglich ist) und das generierte Resultat mit dem eigenen zu vergleichen.

Ganz herzlich bedanken möchte ich mich beim SSV. Von Anfang an gab es Personen, wie z.B. Sandra Bernhard und Urs Hollenstein, welche dem Programm sehr offen und unterstützend gegenüberstanden und mich auch motivierten weiterzumachen. Ein ganz spezieller und grosser Dank gebührt Yvonne Reith. Sie hat unzählige mit VSTENO generierte Seiten gegengelesen und Korrekturen und Feedbacks angebracht. Nur dank ihr konnte letztlich das deutsche System die Qualität erreichen, die es heute hat.

Interessiert, mehr über VSTENO zu erfahren? Dann gibt es hier weitere Infos: (1) auf der Webseite www.vsteno.ch und (2) an der Abgeordnetenversammlung am 16. Mai 2020 (*), zu der ich freundlicherweise eingeladen bin, um eine kurze Live-Demo zu zeigen.

(*) Aufgrund der Corona-Krise ist die Abgeordetenversammlung vom 16. Mai 2020 abgesagt.